Kathrin Dellago - HOB-Schülerin in NY erfolgreich

Kathrin Dellago, eine Absolventin der HOB Bozen (Matura, Fachrichtung Programmierer, im Schluljahr 1989/90), lebt seit mehreren Jahren im Ausland. Nach London und Sydney ist die 33-jährige Grödnerin nun in New York als Investment Banker tätig. Was ein Investment Banker alles macht, wie man zu diesem Beruf kommt und warum sie, auch wenn sie es nie bereut hat ins Ausland zu gehen, sich vorstellen kann irgendwann nach Südtirol zurückzukommen, hat Kathrin Dellago bei ihrem letzten Besuch Südtirol Online (stol.it) erzählt.


Südtirol Online: Sie sind Investment Banker bei Goldman Sachs in New York. Was machen Sie genau?

Kathrin Dellago: Ich habe vor etwa zwei Jahren die Aufgabe übernommen, innerhalb gewisser Bereiche bei Goldman Sachs eine neue Gruppe aufzubauen, die sich mit möglichen Interessenskonflikten zwischen den verschiedenen Aufträgen und Deals der Bank beschäftigt. Vor neuen Geschäftsanbahnungen werden wir zu Rate gezogen, um das Risiko interner Interessenskonflikte von Anfang an auszuschalten. Eine herausfordernde, sehr verantwortungsvolle Aufgabe, die einen rund um die Uhr fordert, weil man auch außerhalb der normalen Arbeitszeiten, durchaus auch an Wochenenden und im Urlaub, stets via Mail und Telefon in Kontakt zum Unternehmen stehen muss.

STOL: Wie wird man Investment Bankerin?

Dellago: Gute Frage. Und gar nicht so einfach zu beantworten. Ein paar grundsätzliche Anforderungen gilt es zu erfüllen, beispielsweise braucht man einen sehr guten Studienabschluss, und vermutlich sollte man neben großem Interesse an wirtschaftlichen Fragestellungen, auch Durchhaltevermögen und eine überdurchschnittliche Einsatzbereitschaft mitbringen. Am Ende braucht es aber auch etwas Glück.

STOL: Wann sind Sie von Südtirol weggegangen?

Dellago: Ich habe noch während meines Studiums ein Angebot von Merrill Lynch, einer anderen Investment Bank, angenommen und bin dann 1995 von Mailand nach London gezogen. Es war ein interessantes Jobangebot und es bot mir die Möglichkeit, mehr von der Welt zu sehen.

STOL: Wie hat es Ihnen in London gefallen?

Dellago: Mich hat London immer schon fasziniert, vielleicht weil meine Mutter bereits seit meiner Kindheit davon geschwärmt hat. Ich habe mich auch sofort wohl gefühlt, weil London sehr viel bietet. Dazu kommt noch, dass man eigentlich nur eine kurze Flugreise von Südtirol entfernt ist, und ich auch manchmal nur für ein Wochenende nach Hause geflogen bin.

STOL: Wie waren die Engländer zu Ihnen?

Dellago: Eigentlich habe ich in London weniger Engländer, sondern öfters Leute aus Italien, Spanien, Deutschland, Amerika und Südafrika kennen gelernt. Allgemein haben Engländer einen sehr unterhaltsamen und trockenen Humor und verbringen die Zeit gerne im Pub, was man ihnen bei diesem Wetter auch nicht übel nehmen kann. Die Engländer sind sehr gastfreundlich und wir haben so manches Wochenende bei Familien meiner Freunde auf dem Land oder an der Küste verbracht.

STOL: Von London sind Sie dann nach Australien gezogen. Wie ist es dazu gekommen?

Dellago: Nachdem ich zwei Jahre im doch recht „grauen“ London gearbeitet hatte, kam ein Angebot von Merrill Lynch, wieder für eine Weile an einen sonnigeren Ort zu ziehen, genau richtig.

: Was haben Sie dort gemacht?

Dellago: Im Grunde so etwas Ähnliches wie in London. Merrill Lynch operiert global, und so habe ich auch in Sydney ein Jahr lang im Investment Banking gearbeitet.

STOL: Warum gerade Australien?

Dellago: Weil es zu dem Zeitpunkt die verlockendste Option war. Es gibt wenige Städte, in denen man in meiner Branche arbeiten und frühmorgens surfen gehen kann.

STOL: Wie hat es Ihnen dort gefallen?

Dellago: Sydney ist noch heute meine Lieblingsstadt: Nur 20 Minuten Autofahrt und man ist auf kilometerlangen menschenleeren Sandstränden. Essen und Nachtleben sind einmalig. Vom langen Sommer ganz zu schweigen.

STOL: Was ist Ihnen aus dieser Zeit besonders in Erinnerung geblieben?

Dellago: Ich habe direkt am Strand gewohnt und konnte das Meer von meinem Schlafzimmer, aus Küche, Wohnzimmer und Bad sehen. Auch kann man dort barfuss autofahren.

STOL: Warum sind Sie von Australien weggegangen?

Dellago: Mein dortiger Chef wollte mich unbedingt überreden, weiter da zu bleiben. Weil mir aber meine Familie fehlte, hatte ich nach einem Jahr das Gefühl, wieder zurück nach Europe zu müssen. Ein 24-stündiger Flug bis man wieder daheim sein kann, ist auf Dauer einfach zu viel.

STOL: Dann sind Sie nach New York gekommen. Seit wann sind Sie dort?

Dellago: Nach meinem Aufenthalt in Sydney hat mich das europäische Büro von Merrill Lynch Europa zurück nach London geholt. Ich war erst noch ein Jahr dort, bevor ich mich von meinem damaligen Freund, der inzwischen mein Mann ist, überreden ließ, ihm nach New York zu folgen. Er ist Amerikaner und war damals auch gerade, nach einem Jahr in Neuseeland, hierher gezogen.

STOL: Wie gefällt es Ihnen in New York?

Dellago: Wunderbar. Mir fehlen zwar ab und zu die Berge Südtirols, aber zu Sydney bietet New York eine ziemlich gute Alternative.

STOL: Haben Sie sich in der US-Metropole sofort wohl gefühlt oder gab es am Anfang Schwierigkeiten?

Dellago: Eigentlich hatte ich nie Schwierigkeiten, mich an eine Stadt zu gewöhnen. Im allgemeinen fühle ich mich recht schnell wohl in einer neuen Umgebung. New York bietet eine so breite Palette an verschiedenen Menschen aus verschiedenen Ländern – nicht zuletzt auch aus Südtirol –, dass man sehr schnell Anschluss findet.

STOL: Haben Sie viele Südtiroler kennen gelernt?

Dellago: Wir hatten im Laufe der Jahre einige informelle Südtiroltreffen in London und auch hier in New York. Ich freue mich immer, wenn andere Südtiroler mich besuchen kommen, oder ich die Gelegenheit habe sie kennenzulernen. Ich zeige jedem gerne diese Stadt und verrate so manchen auch, wo man den besten Kaffee bekommt.

STOL: Welche Vorstellung hatten Sie von New York, bevor Sie hinkamen?

Dellago: Das ist wieder eine gute Frage. Mir hat eigentlich Europa immer besser gefallen, aber seit ich hier bin, habe ich viel über die amerikanische Denk- und Lebensweise gelernt und mir das Beste davon herausgepickt und es übernommen. So sind die Amerikaner beispielsweise recht praktisch und pragmatisch, und man kann sich da schon einiges abschauen.

STOL: Welche sind die negativen Eigenschaften der Amerikaner?

Dellago: Man kann es nicht verallgemeinern, aber den Amerikanern wird oft vorgeworfen, dass sie eine sehr US-zentrische Weltansicht haben. Zum Beispiel haben weniger als 10 Prozent der Einwohner einen Reisepass, und die meisten benutzen ihn „nur“, um nach Kanada zu fliegen. Das führt leider dazu, dass der Durchschnittsamerikaner keine Gelegenheit hat, sich mit anderen Ländern und Denkweisen zu befassen.

STOL: Was fasziniert Sie am meisten an New York?

Dellago: Die Stadt bietet unendlich viele Möglichkeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit. Man trifft viele interessante Menschen und lernt auch, Andersdenkende zu schätzen. Man muss schon etwas Weltoffenheit und Toleranz mitbringen, wenn man sich hier wohlfühlen möchte.

STOL: Wie sind die Menschen in New York?

Dellago: Auch wenn man hier die unterschiedlichsten Menschen kennen lernen kann, so glaube ich doch, dass New York einen ganz besonderen Menschenschlag anzieht: charakterisiert durch viel Energie, Neugierde und auch eine etwas dickere Haut. Wobei dann doch die meisten, die hierher kommen, nicht allzu lange bleiben, sondern nach ein paar Jahren wieder weiter ziehen.

STOL: Warum zieht es die meisten wieder weg von New York?

Dellago: Diese Stadt ist anstrengend, und während sie einem unendlich viele Möglichkeiten bietet, braucht man auch sehr viel Energie (und auch Geld), um hier gut zu leben.

STOL: Ist es schwer, sich in NY durchzusetzen?

Dellago: Ich glaube nicht, dass es hier schwerer ist als anderswo. Meine Arbeit stellt mich täglich vor neue Herausforderungen, egal ob in New York, Sydney oder London. Da lernt man schon sich durchzusetzen, besonders als Frau.

STOL: Haben Sie als Frau mit mehr Schwierigkeiten zu kämpfen als Ihre männlichen Kollegen?

Dellago: Ja, ich glaube schon.

STOL: Mit welchen?

Dellago: In meinem Unternehmen arbeiten vorwiegend Männer. Es ist wohl bekannt, dass Männer öfters mit mehr Selbstvertrauen Probleme angehen, wobei sie nicht unbedingt eine bessere Leistung erbringen als wir. Frauen kostet es hingegen mehr Überwindung und Selbstvertrauen, weil es in unserer Natur liegt, Herausforderungen manchmal vorsichtiger anzunehmen. Dazu kommt noch, dass man als Ehefrau und Mutter auch noch einen Haushalt erfolgreich führen muss. Auch wenn mein Mann mir dabei hilft, haben die meisten meiner Kollegen ihre Ehefrau, die sich rund um die Uhr darum kümmert.

STOL: Wie haben Sie den 11. September erlebt?

Dellago: Da war ich leider „hautnah“ mit dabei, weil mein Büro damals direkt neben den Twin Towers lag. Glücklicherweise konnte ich mich gerade noch rechtzeitig in Sicherheit bringen.

STOL: Was hat sich für Sie persönlich danach verändert?

Dellago: Meine Lebenseinstellung. Es war wohl der traurigste Tag in der Geschichte dieser Stadt und er hat bestimmt auch meine Einstellung zum Leben ganz allgemein etwas verändert. Man sieht viele Dinge plötzlich in einem etwas anderen Licht.

STOL: Wie hat sich Ihre Lebenseinstellung geändert?

Dellago: Ich versuche, jeden Tag etwas intensiver zu leben, mich nicht über Kleinigkeiten zu ärgern und sage meiner Familie und meinen Freunden wie viel sie mir viel bedeuten.

STOL: Was hat sich wirtschaftlich gesehen verändert?

Dellago: Abgesehen von den kurzfristigen Veränderungen, die natürlich recht dramatisch waren, ist heute in New York eigentlich fast alles so wie früher. Die Immobilienpreise sind sogar um 25 Prozent höher als sie noch vor dem Anschlag waren.

STOL: Haben Sie vor für immer in NY zu bleiben?

Dellago: Nein, lieber nicht. Diese Stadt bietet zwar eine Menge Vorteile, aber hier geht mir auch so einiges ab.

STOL: Was finden Sie an New York nicht so toll?

Dellago: Hier kann man die Natur nicht alleine genießen. Ob im Central Park oder an der Küste, es sind andauernd andere Menschen mit dabei.

STOL: Sie sind gerade Mutter geworden. Werden Sie ihrem Kind auch „südtirolerisch“ beibringen?

Dellago: Deutsch, Englisch, Italienisch und Ladinisch. Mindestens. Nein, Spaß bei Seite, ich werde mit meinem Sohn Deutsch sprechen, mein Mann Englisch.

STOL: Was vermissen Sie von Südtirol?

Dellago: Meine Freunde und meine Familie und den Langkofel stellvertretend für das, was für mich "Heimat" ausmacht. Und dann natürlich auch den Speck, den es beim Bauern gibt. Aber zum Glück besuchen mich viele Südtiroler.

STOL: Kommen Sie auch manchmal nach Südtirol?

Dellago: Leider nicht oft genug. Wir verbringen die Weihnachtsferien meistens in Gröden und versuchen dann noch mal im Sommer ein paar Tage auf der Alm einzuplanen.

STOL: Haben Sie noch Kontakt mit Ihrer Heimat?

Dellago: Ja. Meine Familie wohnt dort,und ich habe noch einige Freunde, mit denen ich oft telefoniere. Darüber hinaus habe ich auch viele Freunde aus Südtirol, die wie ich auch zur Zeit irgendwo im Ausland leben.

STOL: Wie sehen Sie Südtirol aus der Ferne?

Dellago: Südtirol ist für mich wie eine Insel, die (Gott sei Dank) dem Rest der Welt zum Großteil unbekannt geblieben ist. Kann sein, dass ich das Leben dort ein wenig idealisiere, weil ich schon so lange nicht mehr da gelebt habe. Aber ich bin überzeugt, dass man eine Lebensqualität, wie die die Südtirol bietet, nicht so leicht woanders findet.

STOL: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dellago: Mehr Zeit für mich und meine Familie.

STOL: Gab es Momente, in denen Sie es bereut haben, von Südtirol weggegangen zu sein?

Dellago: Nein, nicht wirklich. Ich habe viele Freunde gefunden, viel gelernt und bin als Mensch dadurch gewachsen. Alles Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Auch dann nicht, wenn ich vielleicht irgendwann nach Südtirol zurück gehe.

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