Von der HOB auf die Musical-Bühne

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Der Besuch des Musicals West Side Story im Bozner Stadttheaterwar für viele HOB-Schüler ein unvergessliches Erlebnis. Am Ende der Veranstaltung hatten Thomas Trienbacher und Armin Weissensteiner von der Klasse 4 A-WI Gelegenheit, mit der Hauptdarstellerin Beatrix Reiterer ein Interview zu führen.

Zur Person

Beatrix Reiterer ist am 6. Mai 1976 in Bozen geboren und aufgewachsen. Sofort nach Abschluss der Oberschule (Handelsoberschule H. Kunter), startete sie in Hamburg eine dreijährige Schauspielausbildung an der Musical School, wo sie Schauspiel, Tanz und Gesang beigebracht beziehungsweise perfektioniert bekam. Nach ihrer Ausbildung hatte sie 1998 in Wien ihren ersten Job mit Reinhard Fendrich im Musical Chicago. Anschließend folgten Les Miserables (Duisburg) und mehrere Kabarett- und Live-Auftritte in Deutschland. Das letzte Musical, in dem „Trixi“ mitspielte, war Phantom der Oper in Essen. Zwischen 1998 und heute arbeitete sie vor allem in Deutschland. Momentan wohnt sie in Köln, ist ledig, hat jedoch seid etwa fünf Jahren einen Lebensgefährten. Mit ihrer Karriere ist sie momentan sehr zufrieden, sie sagt jedoch, dass der Weg bis zum heutigen Tage sehr mühsam war.

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Das Interview

Frau Reiterer, was hat Ihnen die HOB für Ihren jetzigen Beruf gebracht??
„Das Englisch ist super, denn in der Musicalwelt wird sehr viel Englisch gesprochen. Das Musical kommt ursprünglich aus Amerika und deshalb sind die meisten Ausdrücke in Englisch. Auch die meist internationalen Kollegen und Regisseure sprechen als Einheitssprache Englisch, deshalb war das Englisch, das ich an der HOB lernte, eine gute Vorbereitung für mich. Ich war auch sehr gut in Mathematik und in den Wirtschaftsfächern, dieses Wissen hilft mir in dieser Branche aber nur teilweise im finanziellen Bereich weiter, obwohl ich inzwischen auch dafür eine Agentin habe.“
Scherzhaft sagte sie anschließend noch:
„Mathe hilft mir momentan in langweiligen Situationen weiter, denn dann spiele ich sehr gerne Sudoku.“

Wie oft sind Sie auf Reisen?  Wie oft sind Sie daheim?
„In Südtirol bin ich leider nur ein bis zwei Mal im Jahr in den Ferien bei meinen Eltern und meiner Schwester. In den ersten fünf Jahren meiner Arbeitszeit bin ich sechs Mal umgezogen, jetzt lebe ich aber seit drei Jahren fest in Köln. Bei Vorstellungen in anderen Städten wohne ich meist für kurze Zeit in dieser Stadt. Bei weniger großen Entfernungen pendle ich von Köln in die jeweilige Stadt.“

Wie sind Sie zur Hauptrolle in  West Side Story gekommen?
„Ich habe ganz einfach bei der Audition für dieses Musical vorgesungen! Die Vereinigten Bühnen Bozen veranstalteten Auditions in Wien, Köln, Hamburg und Bozen, und so habe ich Anfang Jänner in Köln vorgesungen und bekam nach kurzer Vorbereitungszeit mit den Verantwortlichen das Angebot für die Hauptrolle. Stephen Lloyd, der Musikalische Leiter, den ich persönlich gut kenne und der mich bei Besuchen in Bozen regelmäßig vorsingen lässt, hat mir auch geholfen.“

Wo würden Sie gerne mal auftreten? Was wäre Ihre Traumrolle?
„Die Maria in der West Side Story ist natürlich eine von meinen Traumrollen, und dieser Traum ist mir nun auch in Erfüllung gegangen. Was ich auch gerne machen würde wäre My Fair Lady oder Elisabeth. Ein Wunschtraum wäre natürlich das Auftreten in London oder am Broadway. Das ist natürlich sehr schwierig, aber man wird wohl noch träumen dürfen. Wenn ich mich festlegen müsste, würde ich sagen am Broadway.“

Wie groß ist der Zeitraum zwischen Probenbeginn und Premiere?
„Dieses Mal hatten wir fast sieben Wochen zwischen den ersten Proben und der Premiere. Normalerweise sind es durchschnittlich fünf bis sechs Wochen, das ist aber sehr variabel. Die Zeit wird von uns als Gruppe auch sehr benötigt, damit man sich kennen lernt und um zusammen zu wachsen und als super Team gut dazustehen.“

Haben Sie jemals eine Rolle abgelehnt?
Lächelnd und etwas verlegen schaut Frau Reiterer bei dieser Frage zu Frau Kathrin Gschleier, Dramaturgin der Vereinigten Bühnen Bozen, die beim Interview anwesend ist, und antwortet dann:
„Ja, zum Beispiel bei den Vereinigten Bühnen Bozen habe ich eine Rolle abgelehnt. Das war jedoch ziemlich blöd, denn es ist meistens so, dass man bei mehreren Auditions zugleich vorsingt,  und dann kann es passieren, dass man - wenn man Glück hat - mehrere Rollen bekommt, die sich zeitlich überschneiden. Dann muss man sich eben für die beste Rolle entscheiden. Es tut manchmal weh, denn man bekommt oft Angebote von mehreren Rollen die man gerne spielen würde, doch man muss sich eben entscheiden.“

Wie ist das Gefühl beim ersten Auftritt vor großem Publikum?
„Es war sehr aufregend. Beim allerersten Auftritt vor großem Publikum, den ich am Theater in Wien hatte, wo ich für die Hauptrolle eingesprungen bin, kann man sich gar nicht richtig freuen und den Auftritt genießen. Man weiß, dort sitzen 1000 Leute, und das erzeugt dann einen starken Druck. Aber andererseits, wenn alles vorbei ist genießt man den Applaus und es ist einfach schön.“
Eine Zwischenfrage unserer Schüler:
Lampenfieber jedoch haben Sie immer noch oder?
Darauf Frau Reiterer lächelnd:
„Ja, das gehört einfach dazu.“

Ist schon mal was schief gelaufen? Wenn ja was?
„Ja, klar! Mir selbst ist, abgesehen von kleinen Patzern wie Text vergessen oder sich im Text verlabern, zum Glück noch nie etwas Schlimmes passiert. Aber manchmal passieren sehr lustige „Unfälle“ mit der Technik. Zum Beispiel: Bei einer Szene im Musical Phantom der Oper, wo man mit einem Boot auf die Bühne fährt, ist oft einfach das Boot stehen geblieben und wir (Phantom und Christine) mussten dann wie Jesus übers Wasser laufen. Das war ganz lustig.“

Gibt es Unterschiede zwischen einer öffentlichen Vorstellung und einer Schülervorstellung? Welche? Und was bevorzugen Sie?
„Schüler sind etwas aufgeweckter.“
Zwischenfrage der Schüler:

Im Positiven oder im negativen Sinne?
Eigentlich durchaus im positiven Sinne, denn das Abendpublikum, in dem vorwiegend Erwachsene sitzen, ist sehr zurückhaltend und auch bei lustigen Szenen reagieren sie nicht so laut. Schüler sind da eher freier, sie lachen los und das ist  für uns Darsteller sehr schön. Schwierig wird es in dramatischeren Szenen, in denen man sich als Schauspieler „fallen lassen“ muss und viel Energie braucht. Wenn dann das Publikum zu lachen beginnt weil es vielleicht peinlich berührt ist, dann ist es schon schwierig, denn man hört es einfach und man muss sich zusammenreißen, dass man das Szenengefühl beibehält. Aber vom Applaus her habe ich auch in Deutschland sehr selten in meiner Karriere so viel wie heute bekommen und das ist dann super.

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