Karriere bei Audi in Ingolstadt

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In der Serie über erfolgreiche Südtiroler im Ausland berichtete stol.it kürzlich über unsere ehemalige Absolventin Bettina Cadamuro. Die Boznerin arbeitet seit einigen Jahren mit großem Erfolg bei Audi in Ingolstadt. Nachfolgend das Interview...

 

 

Name: Bettina Cadamuro
Aufgewachsen in: Bozen

Oberschule: HOB Bozen 
Wohnhaft seit 1998 in Ingolstadt

Beruf: Marketingexpertin

Die Markenwerte des Konzerns, Progressivität und Sportlichkeit, lebt Bettina Cadamuro in ihrer eigenen Vita "linientreu" aus. Im  Interview erzählt die aktive 35-Jährige ihre Sicht von Bozen, vom Spagat zwischen Weltoffenheit und Tradition und von der Wichtigkeit, sich auf Neues einzulassen, oder anders: "Türen zu öffnen und nicht daran vorbeizugehen."

Frage: Wie war es für Sie in die männerdominierte Automobilbranche einzubrechen?

Bettina Cadamuro: Autos sind schon länger nicht mehr reine Männersache, aber es ist in der Tat so, dass bei hochtechnischen Produkten der Männeranteil den Großteil der Beschäftigtenzahl ausmacht. In der Automobilbranche sind Frauen vorwiegend in jenen Bereichen im Einsatz, wo Kreativität, Kommunikation und Organisation eine große Rolle spielen, in Bereichen wie Entwicklung oder Vertrieb ist der Frauenanteil gering. Als Frau muss man dann Kompetenz erst Mal beweisen, während sie bei Männern eher als gegeben angesehen wird.

Frage: Wie sind Sie zu Audi gekommen?

Cadamuro: Nach meinem Studium der Betriebswirtschaft war ich knapp zwei Jahre im Exportbereich der Südtiroler Firma Finstral tätig. Mein Einstieg bei Audi erfolgte dann als Internationaler Trainee für Marketing und Vertrieb. Es war eine sehr spannende Zeit. Dabei habe ich Einblick in viele Unternehmensbereiche erhalten und ich konnte, wie mit einer Art „Freibrief“, in alle Bereiche und Hyrarchie-Ebenen reinschnuppern. Bei meinem letzten Projekt wurde ich dann sechs Monate bei Audi in Argentinien eingesetzt.

Frage: Wie lange dauerte es, bis Sie selbst Verantwortung übernehmen durften?

Cadamuro: Eigentlich konnte ich von Beginn an sehr selbständig arbeiten, was mich als Trainee stark motiviert hat. Die Organisationsstrukturen sind bei Audi eher flach, dadurch erhält man relativ schnell großen Handlungsspielraum, aber auch mehr Verantwortung. Als ich dann meine erste Position im internationalen Direktmarketing innehatte, war ich alleine für diesen damals innovativen Bereich verantwortlich und der Kreativität waren – fast - keine Grenzen gesetzt. In dieser Beziehung hatte ich bei Audi großes Glück. Mittlerweile arbeite ich seit über sieben Jahren für die Ingolstädter.

Frage: Als Mitarbeiterin der Vertriebsabteilung waren Sie bis Anfang 2005 für die Märkte Nord- und Osteuropa zuständig. Was war Ihre genaue Aufgabe?

Cadamuro: Ich hatte gewissermaßen eine beratende und steuernde Brückenfunktion zwischen dem Hauptwerk in Deutschland und den Marketingleitern der jeweiligen Länder. Dabei wurden die Marketingpläne mit den Ländern abgestimmt und es sollte auch überwacht werden, dass die Marketingrichtlinien von Audi in diesen Regionen umgesetzt wurden.

Frage: Was waren die Herausforderungen dabei?

Cadamuro: In erster Linie musste eine Vertrauensbasis geschaffen werden. Sehr wichtig ist dabei, dass man die kulturellen Eigenheiten der Länder respektiert und auch den unterschiedlichen Entwicklungsstand berücksichtigt. Die Bedürfnisse der Kunden in Osteuropa oder Skandinavien sind nun mal nicht dieselben wie in Deutschland.

Frage: Welche Unterschiede haben Sie festgestellt?

Cadamuro: Während in den Westeuropäischen Ländern ein kaufkräftiger Mittelstand den Hauptabsatz einbringt, ist die Zielgruppe beispielsweise in Osteuropa viel kleiner und homogener. So weisen die „oberen Zehntausend“ in Russland so charakteristische Merkmale auf, dass das Marketing mit weniger Streuverlusten vorgehen kann. Diese Elite bewegt sich in denselben Kreisen, nutzt dieselben Medien und hat ähnliche Interessen. Wir verkaufen in diesen Märkten praktisch keine Kleinfahrzeuge.

Frage: Seit Februar dieses Jahres arbeiten Sie nun im Bereich Öffentlichkeitsarbeit. Warum der Wechsel?

Cadamuro: Ich nehme gerne neue Herausforderungen an. Als mir in diesem Jahr ein Stellenangebot für den Bereich Kommunikation Lifestyle angeboten wurde, zögerte ich nicht all zu lange. Es ist ein Bereich, der sich bei vielen Unternehmen im Aufbau befindet, weil sich darin ein großes Potential verbirgt. Dabei steht der Kontakt mit den Medien im Vordergrund.

Frage: Wie sieht dieser Kontakt konkret aus?

Cadamuro: Wir versuchen das Unternehmen und seine Produkte in den Lifestyle Medien unseren Zielen entsprechend darzustellen. So organisieren wir Events oder schnitzen interessante Geschichten rund um Audi, über die dann im Idealfall die von der Zielgruppe genutzten Print-,TV- oder Online-Medien berichten.

Frage: Handelt es sich dabei um Boulevard-Magazine oder Fachblätter?

Cadamuro: Die Kategorie von Lifestyle-Magazinen ist im Fall von Audi sehr breit. Sie umfasst Hochglanz-Magazine aus den Bereichen Design und Lebensart, die klassischen Männer- und Frauen-Magazine, aber auch die Boulevard-Magazine. Ein großes Potential steckt noch in den zahlreichen TV-Formaten und Online-Medien. Gerade in Zeiten, wo Werbebudgets gekürzt werden und die Effektivität der Werbung hinterfragt wird, ist dies ein sinnvoller Weg, um die Aufmerksamkeit und das Image zu erhöhen, ohne dafür die Marketingausgaben in die Höhe zu treiben.

Frage: In einem Artikel ging es um den Klang, der beim Zuschlagen einer Autotür erzeugt wird...

Cadamuro: Für unsere Kunden sind derlei Details von hoher Bedeutung. Die Qualitätsmaßstäbe sind bei den Fahrzeugherstellern im Premiumsegment sehr hoch, da entscheidet am Ende oft das attraktivere Image einer Marke. Kurz gesagt, es geht darum, die Markenwerte auf emotionale Weise zu vermitteln.

Frage: Das bewusste Positionieren bestimmter Marken in einigen deutschen Fernsehserien sorgte heuer immer wieder für Empörungsstürme. Was halten Sie von bezahlter Schleichwerbung?

Cadamuro: Wenn es für den Kunden erkennbar ist, dass ein Produkt gezielt platziert wurde, dann sehe ich persönlich darin kein Problem. Dafür müssten aber klare Rahmenbedingungen geschaffen werden, die diese Werbeform reglementiert. So könnten beispielsweise im Abspann einer TV-Sendung die Sponsoren aufgelistet werden. Es würde schließlich auch keinen Sinn machen, Autos in Filmen zu zeigen, die nicht existieren. Wie soll sich der Zuseher darin identifizieren? Der Zuseher wird am Ende selbst entscheiden, wie viel an „Product Placement“ er akzeptiert, indem er Sendungen auswählt oder nicht.

Frage: Themenwechsel: Sie haben in Wien studiert, heute leben und arbeiten Sie in Ingolstadt. Fühlen Sie sich wohl an der Donau?

Cadamuro: Es sieht so aus, als wenn die Donau irgendwie immer wieder durch mein Leben fließt (lacht). Ich fühle mich in Ingolstadt wohl. Die hohe Lebensqualität, aber vor allem die unmittelbare Nähe zur Großstadt München macht die bayerische Stadt für mich sehr interessant.

Frage: Bayern und Südtirolern wird oft eine gewisse Ähnlichkeit nachgesagt. Wie sehen Sie das?

Cadamuro: Die Mentalitäten sind sich sehr ähnlich. Diese Kombination von Bodenständigkeit und einer gewissen Weltoffenheit verbindet beide.

Frage: Spüren Sie diese Weltoffenheit, wenn Sie durch Bozen schlendern?

Cadamuro: Mittlerweile ja. In den letzten Jahren hat die damals idyllische Stadt einen enormen Schritt nach vorne gemacht. Natürlich dank der Universität, der Europäischen Akademie oder einfach nur aufgrund der zahlreichen neuen Lokale und Geschäfte im Zentrum. Es sieht so aus, als hätte all dies Bozen etwas mehr Leben eingehaucht.

Frage: Und was wurde aus der Idylle von früher?

Cadamuro: Die ist leider etwas verloren gegangen, was ich sehr bedauere. Spaziert man durch die Lauben, wird dieser Eindruck nur verstärkt. Große Handelsketten haben sich mittlerweile in Bozen niedergelassen und Südtirol hat dadurch einen Teil der Identität aufgegeben.

Frage: Zurück zum "Protektionismus" also?

Cadamuro: Sicher ist der Spagat zwischen Fortschritt und Tradition nicht einfach. Ich finde aber, dass es für den Einzelhandel sehr wohl Möglichkeiten gibt, um sich von den Billigriesen sinnvoll abzugrenzen. Allzu oft wird davon ausgegangen, dass der Kunde die Kaufentscheidungen nur über den Preis trifft. Qualität, Serviceorientierung und Innovation rechtfertigen bei einem gezielten Produktangebot den Preis durchaus.

Frage: Sie kennen die Situation in der Landeshauptstadt auch deshalb so genau, weil sie seit mittlerweile vier Jahren an der Universität Bozen lehren. Wie oft sind Sie beruflich da?

Cadamuro: Im Laufe des Wintersemesters, also von Oktober bis Februar fast jede Woche. Angesichts der beträchtlichen Entfernung von rund 350 Km zwar sehr stressig, aber es macht mir sehr viel Freude, jungen Menschen, die in den Startlöchern stehen, etwas für Ihre Zukunft mitzugeben. Durch die „Vielfahrerei“ ist mein Auto allerdings mittlerweile beinahe mein zweites Zuhause geworden.

Frage: Sie halten eine Vorlesung im Fach Betriebswirtschaftslehre an der Fakultät für Design ab. Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?

Cadamuro: Während meines BWL-Studiums habe ich zwar die theoretische Basis vermittelt bekommen, aber der Praxisbezug kam zu kurz. Das möchte ich den Studenten in Form von Fallbeispielen und alltäglichen Situationen ergänzend aufzeigen. Es geht mir auch darum, die für den Beruf eines Designers relevanten Bereiche zu vertiefen. Wir haben uns beispielsweise in der letzten Stunde mit dem Corporate Design von Unternehmen beschäftigt und sind zufällig auf das neue Südtirol Logo zu sprechen gekommen. Das Logo und die Strategie haben wir uns daraufhin im Internet angesehen und gemeinsam analysiert.

Frage: Was würden Sie einem jungen Studenten heute mit auf den Weg geben?

Cadamuro: Der Arbeitsmarkt ist im Moment viel härter als er zu meiner Zeit war. Auslandsaufenthalte, Praktika, Sprachen – sind inzwischen nichts Außergewöhnliches mehr. Daher kann ich nur empfehlen, all diese Chancen zu nutzen und mit Mut und Optimismus auf die Arbeitswelt zuzugehen. Irgendwann entdeckt man, dass Unmögliches oft doch möglich wird. Und man lernt: Kämpfen lohnt sich.

Frage: Nicht nur Design sondern künstlerische Ausdrucksformen generell spielten in Ihrem Leben immer schon eine große Rolle. Fehlt Ihnen heute schlicht die Zeit dafür?

Cadamuro: Ich habe viele Jahre Flamenco getanzt. Verstärkt wurde meine Begeisterung bei ein halbjährigen Studienaufenthalt in Barcelona. Derzeit bleibt das Tanzen etwas auf der Strecke. Leider. Aber ich besuche gerne Ausstellungen, gehe ins Theater oder Kino und male auch ab und zu noch. Beschäftige also auch meine rechte Gehirnhälfte. Für mich sind Kreativität und Sport der ideale Ausgleich zum Beruf. Im Sommer kann ich mich mit Golfen entspannen, im Winter fahre ich mit großer Begeisterung Ski.

Frage: Was verbindet Sie heute privat noch mit Südtirol?

Cadamuro: Meine Familie und viele Freunde leben hier und ich treffe sie auch regelmäßig. Es war mir immer schon sehr wichtig, diese Bindungen zu halten, auch wenn ich im Ausland lebe. Ich könnte mir durchaus vorstellen, auch irgendwann wieder hierher zurückzukommen.

Frage: Welche Erinnerungen an Ihre Bozner Kindheit haben Sie?

Cadamuro: Ich war immer schon sehr aktiv. Nach der Schule machte ich Musikkurse, tanzte und war auch in einem Leichtathletikverein. Am Wochenende ging meine Familie oft zum Wandern oder Skifahren. Diese Naturverbundenheit ist mir bis heute geblieben. Die Auseinandersetzung mit den zwei Sprachgruppen war für mich ebenso prägend, denn dadurch habe ich das Gespür im Umgang mit Kulturen entwickelt.

Frage: Welche Werte haben Sie zu Hause vermittelt bekommen?

Cadamuro: Insbesondere die hohe Bedeutung von Familie und Freunden, sowie der faire Umgang mit dem Nächsten.

Frage: Was heißt das umgemünzt auf Ihren derzeitigen Job?

Cadamuro: Es sind Werte, die heutzutage nicht immer selbstverständlich sind. Dadurch entstehen manchmal Zielkonflikte, gerade im Berufsleben.

Frage: Sie haben bereits einige berufliche Umorientierungen hinter sich. Setzen Sie sich längerfristige Ziele?

Cadamuro: Sicherlich habe ich Ideen darüber, wie ich mich entwickeln könnte. Meine Ziele sind eher kurzfristig, aber dann versuche ich sie auch konsequent zu erreichen, typisch für einen Widder. Zu langfristige Ziele würden mich blockieren.

Frage: Inwiefern?

Cadamuro: Im Berufsleben begegnet man immer neuen Türen. Man kann sie öffnen und die Chancen nutzen, oder an allen Türen vorbei gehen. Damit schränkt man sich aber selbst ein und versperrt sich oftmals aussichtsreichere Wege. Klar ist jede Chance auch gleichzeitig ein Risiko.

Frage: Heißt das, dass Sie sich noch öfters beruflich verändern möchten?

Cadamuro: Ich kann mir nicht vorstellen, noch dreißig Jahre dieselbe Tätigkeit auszuüben. Zuviel Automatismus schränkt meiner Ansicht nach Kreativität und Motivation ein. Und das entspricht nicht meiner Vorstellung vom Leben. Dafür bin ich viel zu neugierig.

Frage: Könnten Sie sich auch vorstellen, komplett das Feld zu wechseln?

Cadamuro: Wenn diese neue Tür mich so richtig reizen würde, warum nicht? Da bin ich sehr offen, aber auf jeden Fall würde ich über die Grenzen hinaus tätig sein wollen.

Frage: Gibt es für Sie so etwas wie "Ankommen" im Leben?

Cadamuro: Angekommen bin ich wahrscheinlich mit meinem letzten Herzschlag.

Interview: Rainer Hilpold

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