Scheidende Landesrätin findet klare Worte

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Mit den Worten "das wollte ich jetzt noch einmal los werden" schloss die scheidende Landesrätin Sabina Kasslatter Mur ihre Stellungnahme bei der Pressekonferenz zum Maßnahmenpaket "Zweitsprache Italienisch" im ÜFA-Konferenzraum der WFO Bozen. Die Landesrätin fand zum Ende ihrer politischen Laufbahn (sie kandidiert bei der anstehenden Landtagswahl nicht mehr) ungewöhnlich klare Worte zum Thema Italienischunterricht in der Deutschen Schule. Sie sprach sich gegen eine Erhöhung der Unterrichtsstunden und für neue Modelle im Unterricht aus.  - Im Bild Schulamtsleiter Peter Höllrigl, Inspektor Marco Mariani, Dir. Barbara Pobitzer und Landesrätin Sabina Kasslatter Mur.

 
"Man wirft mir oft vor, dass ich für die einsprachige Schule sei", sagte die Landesrätin. "Dem ist aber überhaupt nicht so. Die Deutsche Schule in Südtirol ist keine einsprachige- und auch keine gemischtsprachige Schule sondern eine mehrsprachige Schule. Die Schülerinnen und Schüler sind am Ende ihrer Schullaufbahn dreisprachig - oder sie sollten es zumindest sein", sagte die Landesrätin.

"Leider sind die Kenntnisse nach 13 Jahren in vielen Fällen ungenügend. Der Erfolg entspricht nicht dem Ausmaß der Stundenzahl, die die Schüler von der ersten Klasse bis zur Matura (ca. 1700) genießen. Eine Studie hat ergeben, dass das Kompetenzniveau im Durchschnitt eher einer Anzahl von 1300 absolvierten Unterrichtseinheiten entspricht. Die Lösung kann es aber nicht sein, den Italienisch-Unterricht um einige hundert Stunden zu erhöhen. Wir müssen den Unterricht in den 1700 Stunden verbessern. Dort ist anzugreifen, dort sind Maßnahmen zu setzen. Und das sind wir dabei zu machen."

Und die scheidende Landesrätin schloss mit einem Zitat von Norbert Lammert: "Ich halte mich in Bezug auf den Sprachunterricht an den Präsidenten des Deutschen Bundestags, der Folgendes gesagt hat: Die Muttersprache ist der Nährboden des präzisen Denkens. Die Förderung von Mehrsprachigkeit ist sinnlos ohne die Pflege der eigenen Sprache."

Rosen streute die Politikerin aus Barbian der Handelsoberschule Bozen: "Eine meiner zwei Töchter hat diese Schule besucht und hier beste Erfahrungen gemacht - auch in Bezug auf den Zweitsprachenunterricht. So sind etwa Projekte wie das zweiwöchige Betriebspraktikum in Norditalien nur zu empfehlen." Dir. Barbara Pobitzer nahm das Lob mit sichtlicher Genugtuung auf.

 

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Inspektor Marco Mariani, Landesrätin Sabina Kasslatter Mur und Schulamtsleiter Peter Höllrigl (von links).
  

Bericht des Landespresseamts zur Pressenkonfernz

Den Erwerb der Zweitsprache Italienisch an Südtirols Schulen fördert das Deutsche Bildungsressort mit einer Reihe von Maßnahmen, die zum Teil bereits in Umsetzung sind. Den aktuellen Stand haben Bildungslandesrätin Sabina Kasslatter Mur, Schulamtsleiter Peter Höllrigl und Fachleute in Bozen vorgestellt. Zudem wurden die Ergebnisse der Kompetenztests in Italienisch an den Grundschulen präsentiert, die zeigen, dass die wichtigsten Faktoren fürs Erlernen der Zweitsprache die intrinsische Motivation der Schüler, das sprachliche Umfeld und die didaktische Kontinuität sind.

»Die deutschen Schulen sind keine einsprachigen, sondern eigentlich mehrsprachige Schulen, denn beim Abschluss der Oberschulen müssten alle Schülerinnen und Schüler Deutsch, Italienisch und Englisch können; allerdings legen wir auch Wert auf die Muttersprachenkompetenz, die als Basis für präzises Denken gilt«, erklärte Bildungslandesrätin Sabina Kasslatter Mur die Grundhaltung des Deutschen Bildungsressorts in Sachen Sprachunterricht. Ausgehend von der KOLIPSI-Studie 2011 habe das das Deutsche Bildungsressort ein Maßnahmenpaket geschnürt, um die Bemühungen um einen bestmöglichen Erwerb der Zweitsprache Italienisch an Südtirols Schulen noch weiter zu verstärken, so die Landesrätin. »Weil die Studie gezeigt hat, dass die Schüler und Schülerinnen die Zweitsprache nicht in dem Ausmaß können, wie sie sie laut Unterrichtsstundenanzahl beherrschen müssten, war eine einfache Ausdehnung des Italienischunterrichts nicht die Lösung«, erläutert die Landesrätin.

»In erster Linie geht es darum, die didaktische Kontinuität des Zweitsprachenunterrichts im ländlichen Gebiet zu erhöhen, die Lehrpersonen besser auszubilden und somit die Unterrichtsqualität zu steigern«, erklärte Schulamtsleiter Peter Höllrigl.

Insgesamt hat das Bildungsressort neun Maßnahmen gesetzt: Für die Zweitsprachenlehrpersonen wurde ein attraktives Ausbildungsangebot geschaffen und intensive Beratung und Unterstützung, vor allem im Vinschgau und im Pustertal angeboten. Die Lehrpersonen wurden angeregt, für fünf Jahre auf Mobilität zu verzichten. Weiters wurden innovative Vorhaben des Sprachlernens gefördert, sowie das Austauschjahr und die Klassenpartnerschaften ausgebaut. In der Grundschule wurden Kompetenztests durchgeführt. Für die Mittelschule sind sie in Vorbereitung. Die Neuordnung der Abschlussprüfung ist für die Mittelschule umgesetzt. In Mals, Schlanders, Meran, Bozen, Brixen und Bruneck gibt es eine Zertifizierung des Sprachstands.

»Als erste Erfolge werten wir, dass der Lehrerwechsel in der Peripherie deutlich gesenkt wurde, dass sich die Lernerfolge in der Grundschule den Vorgaben der Rahmenrichtlinien annähern, und dass sich der Zweitsprachenunterricht in der Oberschule in Richtung mehr Sprachunterricht und Gegenwartsliteratur entwickelt.«

»Für die Zweitsprachenlehrpersonen wurden mehrere Ausbildungsmöglichkeiten geschaffen, damit sie fehlende Studientitel ergänzen können«, sagte Rudolf Meraner, der Leiter des Bereichs Innovation und Beratung im Bildungsressort. So gibt es das Studium generale plus an der Freien Universität Bozen, das im heurigen September gestartet ist und einen Weiterbildungsmaster mit der Università degli stranieri von Siena, der für 2014/2015 in Planung ist. Für die Lehrpersonen wurden außerdem Sprachkursezum Deutschlernen angeboten, an denen 55 Personen teilgenommen haben. Ende Oktober soll ein ESF-Projekt mit Sprachkursen in Bruneck, Brixen, Bozen, Meran und Latsch starten. »Um die Motivation der Schüler und Schülerinnen beim Lernen der Zweitsprache zu steigern werden auch Sprachzertifizierungen angeboten, wofür die Schülerinnen und Schüler die Prüfungen an ihren Schulen machen können«, erläuterte Meraner. Für die Prüfungen C1 und B2 in Italienisch haben sich laut Meraner für diesen November mehr als 400 Schülerinnen und Schüler angemeldet.

Ein neues Modell wurde für Italienisch als Zweitsprache bei der Abschlussprüfung der Mittelschule eingeführt. »Es basiert auf Hören, Lesen, Schreiben, Monolog und Dialog, was dann auch in den Italienischunterricht einfließt«, erklärte Marco Mariani, der Inspektor für Italienisch als Zweitsprache. Im Vorjahr wurde das Modell an 14 Mittelschulen (240 Schüler/innen) erprobt. Laut Mariani haben drei Viertel der Schüler die Tests positiv abgeschlossen und auch bei den Lehrern ist das neue Modell gut angekommen.

Bedeutende Faktoren für das Lernen der Zweitsprache konnten bei der Lernstandserhebung an den vierten Klassen von 56 Südtiroler Grundschulen (3826 Schüler/innen) ausgemacht werden. »Die intrinsische Motivation, also die persönliche Aufgeschlossenheit der Schülerinnen und Schüler und das sprachliche Umfeld sind besonders wichtig, ebenso wie die didaktische Kontinuität«, resümierte  Bernhard Hölzl, der Mitglied der Evaluationsstelle für die deutschsprachige Schule in Südtirol ist. Gerade die Motivation der Schüler und Schülerinnen können auch von den Eltern beeinflusst werden, wohingegen die Eltern wenig Einfluss auf die Anzahl der Italienischsprachigen am Wohnort des Kindes hätten, unterstrich Hölzl. Bei mehr als zwei Lehrerwechseln im Fach Italienisch schlage sich dies auf die Leistung der Schüler und Schülerinnen im Fach nieder, so Hölzl.

»Die Test waren wichtig, um den Lernstand der Kinder in der Zweitsprache festzustellen und davon ausgehend didaktisches Material und innovative Lernmethoden zu entwickeln«, sagte Rita Cangiano, die Zuständige für Fachdidaktik Italienisch Zweite Sprache im Bereich Innovation und Beratung im Deutschen Bildungsressort. Die Lehrpersonen wurden bei verschiedene Treffen, damit vertraut gemacht, die Testergebnisse zu interpretieren. Eine Arbeitsgruppe bestehend aus Lehrpersonen aus ganz Südtirol unterstützt die Zweitsprachlehrer in Sachen Didaktik, gibt Tipps für den Unterricht und versorgt die Lehrpersonen mit Informationen in Sachen Zweitsprachenunterricht.

Als Beispiel für innovative Ansätze vom Zweitsprachenlernen stellte die Direktorin der Bozner Wirtschaftsfachoberschule »Heinrich Kunter« Barbara Pobitzer ihre Maßnahmen vor. An der »Kunter« arbeiten die Schüler und Schülerinnen der ersten Klassen zwei Wochenstunden zusammen mit Professoren aus den Fächern Deutsch und Italienisch an einem Projekt. In den vierten Klassen arbeiten die Schüler und Schülerinnen fächerübergreifend in den Fächern Betriebswirtschaften und Italienisch, Internationale Beziehungen und Italienisch, Rechtskunde und Italienisch oder Sport und Italienisch. Daneben gibt es Betriebspraktika in Oberitalien und weiter Projekte. »Mit den fächerübergreifenden Angeboten wird vor allem die Mündlichkeit und der Fachwortschatz in beiden Sprachen potenziert«, sagte Pobitzer.

Bei der Vorstellung des Maßnahmenpakets des Deutschen Bildungsressorts zum Zweitsprachenerwerb waren auch der Inspektor für den sprachlich-expressiven Bereich an den Grund- und Sekundarschulen Ferdinand Patscheider sowie die Leiterin der Evaluationsstelle für die deutschsprachige Schule Ursula Pulyer anwesend.

 
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Prof. Licia Brion, Dir. Barbara Pobitzer und Inspektor Ferdinand Patscheider.
 
 
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Giorgia Dagostin (4 C-WS) berichtete über ihre Erfahrungen bei der PLIDA-Sprachprüfung.
 
 
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Rudolf Meraner, der Leiter des Bereichs Innovation und Beratung im Bildungsressort.
 
 
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Die gut besuchte Pressekonferenz fand im Konferenzraum der ÜFA statt.
 
 
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Fächerübergreifendes Lernen Deutsch-Italienisch in der ersten Klasse.
 
 
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Lob für die WFO "Kunter": Sabina Kasslatter Mur.
 
 
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Schulamtsleiter Peter Höllrigl.
  
 
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