Lehrreiche Aufarbeitung einer Familiengeschichte

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Mit dem interessanten Thema der Arisierung von Eigentum im Deutschen Reich beschäftigt sich der österreichische Autor Klaus Pumberger (im Bild mit seiner Ehefrau) im Buch "Worüber wir nicht geredet haben". Pumberger berichtet aus eigener Erfahrung, denn seine aus Taisten im Pustertal stammenden Großeltern übernahm in der Zeit der Option das zwangsenteignete Haus eines jüdischen Widerstandskämpfers in der Nähe von Linz an der Donau. Bei einer Lesung in der Bibliothek des Hauptsitzes erhielten die Schüler der Klassen 4 B-WS und 5 B-WS einen interessanten und spannenden Einblick in diese schwierige Zeit.

 

Ein Buch, zwei Familien inmitten der europäischen Zeitgeschichte

Der bekannte österreichische Autor Klaus Pumberger konnte kürzlich für eine Autorenlesung in der Handelsoberschule  Bozen gewonnen werden.

Pumbergers im Herbst 2015 erschienenes Buch "Worüber wir nicht geredet haben" vereint die Geschichte zweier Familien, deren Schicksale sich durch die Zeitgeschichte des vergangenen Jahrhunderts verzweigt haben.

Da wäre auf der einen Seite die Südtiroler Bergbauernfamilie Eppacher, die im Zuge der Option nach Österreich auswandert und in einem Dorf an der Donau in einem -  einer jüdischen Familie enteigneten - Haus eine neue Heimat findet.

Hier kommt die zweite Familie ins Spiel: die Beers. Sie sind eine reiche jüdische Familie aus dem Wiener Bürgertum, die der Judenverfolgung unter den Nazis zum Opfer gefallen ist.

Für den Autor, der Politikwissenschaften und Geschichte studiert hat, war das Schreiben dieses Buches auch ein Prozess der Aufarbeitung seiner Familiengeschichte: Klaus Pumberger ist ein Nachkomme der Eppacher Familie in der Enkelgeneration.

Wie Pumberger mit unverkennbarem Wiener Dialekt erzählt, hat er während der Recherchen zu "Worüber wir nicht geredet haben" einige Reisen an die Handlungsorte sowie in die USA und nach Russland unternommen, um sein Bild der Geschichte dieser beiden Familien aber auch jenes der europäischen Geschichte zu erweitern.

Es ist genau diese Verschmelzung zweier Familiensagas mit der Zeitgeschichte Europas im 20. Jahrhundert, die Klaus Pumbergers Buch "Worüber wir nicht geredet haben" so lesenswert macht.

Franziska Kössler

 

Bei der Diskussion im Anschluss an die Lesung machten die Schüler reichlich Gebrauch von der Möglichkeit, Fragen zu stellen. Eingegangen wurde zunächst vor allem auf die Option im Jahr 1939, wobei auch einige Schüler von den persönlichen Erfahrungen ihrer Großeltern berichteten.

Im Mittelpunkt stand die Frage nach der moralischen Bewertung der Optanten, die zwangsenteignete Häuser und Höfe zugewiesen erhielten. "Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass es sich um schuldhaftes Verhalten meiner Großeltern gehandelt hat. Aber man muss diese schwierige Entscheidung in ihrer Zeit sehen. Und heute maße ich mir kein Urteil darüber an", sagte Pumberger.

"Ihr werdet im Leben vermutlich einige Male vor einem Dilemma stehen und sehr schwierige Entscheidungen treffen müssen", meinte der Autor an die Schüler gewandt. "Dabei wird sich erst später herausstellen, ob ihr den richtigen Weg gewählt habt. Und ihr werdet erkennen, dass man sich mit späteren Urteilen zurückhalten sollte. Über Handlungen von Menschen, die in einer äußerst schwierigen Situation Entscheidungen treffen müssen, kann man im Nachhinein nicht so ohne weiteres den Stab brechen."

 


Klaus Pumberger mit Franziska Kössler von der 5 B-WS

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Franziska Kössler, Prof. Heidi Widmann und Prof. Marlies Raifer, die die Gäste aus Österreich in Eppan beherbergte.

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Prof. Helene Zelger, Prof. Heidi Widmann, Klaus Pumberger mit Ehefrau und Bibliothekarin Marta Capasso (von links).

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Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 5 B-WS und 4 B-WS.

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Das Buch von Klaus Pumberger.

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Aus dem Inhalt:

Auf der Kager 5. Ein Haus in der Provinz an der Donau. Zwei Familien: Beer und Eppacher

Wien, um 1900. Das jüdische Bürgertum. Die Welt von Familie Beer in der Hauptstadt. Komplizierte Spurensuche

Auf der Kager 5, Wien, Oktober 1917 bis Frühjahr 1921. Unterschiedliche Welten finden einander. Louis Beer und Rosa Ecker. Neue Besitzer.  Herausfordernde Recherchen

Südtirol, nach dem Ersten Weltkrieg. „Wir waren Zerrissene“. Die Welt von Familie Eppacher im Dorf in den Bergen. Umgang mit einem Mythos

Wien, April 1921 bis Februar 1938. Sportler, Tischlerlehrling und Kommunist. Gesichter des jungen Ludwig Beer. Unerwarteter Fund von Unterlagen

Wien, März 1938 bis März 1939. Familie Beer nach dem „Anschluss“. Ludwig Beer und sein Mut. Eine persönliche Annäherung

Spanien, April 1938 bis Februar 1939. „Ich möchte mir die Front, an der ich kämpfe, selbst aussuchen“. Ludwig Beer nimmt am Bürgerkrieg teil. 75 Jahre später an denselben Orten

Südtirol, Herbst 1939. Die Option: bleiben oder gehen? Familie Eppacher wählt die Auswanderung nach NS-Deutschland. Scham und Schweigen

Südfrankreich, Februar 1939 bis Juni 1940. „Wie viel ich noch lernen muss“. Ludwig Beer interniert im Lager. Gespräch mit einer Zeitzeugin

Auf der Kager 5, Sommer 1940. Ein Haus, verwickelt in zwei Familiengeschichten. Umsiedlung und Arisierung. Legenden und Selbst-Viktimisierung

Frankreich, Juni 1940 bis Februar 1943. „Sofort und ohne Unterbrechung alles riskieren“. Ludwig Beer in der Résistance. Zufall hilft der historischen Forschung

Auf der Kager 5, Stalingrad, Paris, September 1941 bis Februar 1943. Die Kriegswende: neue Hoffnung bei Ludwig Beer, tragischer Verlust bei Familie Eppacher. Reise nach Moskau und Wolgograd. Zwei Generationen und ihre Sicht auf die Familiengeschichte

Wien, Frühjahr bis Sommer 1943. „Kein Opfer mehr für Hitlers verlorenen Krieg!“. Ludwig Beer kehrt zurück: aktiv im Widerstand. Zeitgenössische Aussagen als wichtige Quelle

Oberes Donautal, Linz, Wien, März 1942 bis September 1943. „Das Vermögen des Juden Ludwig Beer ist verfallen“. Nächste Phase der Arisierung. Ein Haus meiner Geschichte

Wien, August 1943 bis Februar 1945. „Bitte wäre es Dir nicht möglich, mir ein paar gekochte Kartoffeln zu schicken?“ Die Gestapo schlägt zu. Politische Umbrüche erleichtern historische Aufarbeitung

Dachau, Wien, Baranów, Viborg, Mauthausen, April 1944 bis April 1945. „Heute ich, in ein paar Wochen ihr!“ Das Ende des Nationalsozialismus für beide Familien. Reflexionen in Dachau

Auf der Kager 5, Linz, Wien, September 1945 bis Dezember 1950. „Ich bin dafür, die Sache in die Länge zu ziehen“. Die Restitution des Hauses an Rosa Beer. Begegnungen am Schauplatz heute

 

Geschichte am Freitag in der "Tageszeitung"

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