Kaufhaus Bozen: Ja oder Nein?

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Dass eine Veranstaltung mit 250 Schülerinnen und Schülern, die großteils schnell zu ihren Bussen müssen, zu Schulende um 13.05 Uhr noch fünf Minuten verlängert wird, kommt äußerst selten vor. Geschehen ist dies bei der Benko-Diskussion am letzten Schultag vor Ostern in der Aula Magna. Das von Prof. Hanno Barth organisierte Treffen begann mit zwei ausführlichen Präsentationen der Kaufhaus-Befürworter und der Kaufhaus-Gegner. In der Folge hatten die Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, Fragen zu stellen. Und sie machten von dieser Möglichkeit ausgiebigst Gebrauch. Franziska Kössler von der 5 B-WS hat die interessante Veranstaltung für wfo.bz.it zusammengefasst. Im Bild die Diskussionsteilnehmer (v. l.) Thomas Huck, Michael Schlauch, Heinz Peter Hager und Bernhard Pöll.

 

Kaufhaus Bozen: Ja oder Nein?

Mit einer anregenden Debatte wurden die Schüler der vierten und fünften Klassen am Mittwoch, 23. März 2016, in die Osterferien entlassen. Thema war das sogenannte "Benko Referendum", bei dem vom 29. März bis zum 4. April 2016 über das Projekt zum Bau eines Großkaufhauses der "Signa Group" auf dem Areal des Busbahnhof-Blocks in Bozen abgestimmt wird.

Professor Hanno Barth hatte sowohl Vertreter der Kaufhaus Bozen GmbH (KHB GmbH) als auch Gegner dieses Großprojekts von "Jung in Bozen" in die Wirtschaftsfachoberschule Bozen eingeladen. Die Schüler sollten sich ein objektives Bild zu der Thematik machen und sie sollten Gelegenheit erhalten, Fragen an die direkt Beteiligten stellen zu können.

Die KHG GmbH, eine Tochtergesellschaft der Signa Group René Benkos, war durch Präsident Heinz Peter Hager, und durch den verantwortlichen Projektenwickler der Signa Group, Bernhard Pöll, vertreten. Für die überparteiliche Organisation "Jung in Bozen" sprachen Thomas Huck und Michael Schlauch.

Zunächst trat Heinz Peter Hager an das Rednerpult und stellte gleich zu Beginn klar, dass das "Projekt Benko" mehr sei als nur ein Kaufhausprojekt. Man verfolge das große Ziel der innerstädtischen Belebung und möchte der Kaufkraft in Südtirol neue Strukturen bieten, zumal durch den gängigen Protektionismus im Handel viel Südtiroler Kaufkraft über die Landesgrenzen hinausgetragen würde. Zu diesem Schluss sei nicht nur die Signa Group gekommen, so KHB GmbH Präsident Hager, auch die Sachberater der Gemeinde Bozen hätten festgestellt, dass es in der Talferstadt zwar schon gute Handelsstrukturen gibt, jedoch neue, moderne fehlen.

Der Verantwortliche für die Projektentwicklung der Signa Group, Bernhard Pöll, betonte ebenfalls das Ziel, mit diesem Großprojekt eine Verbindung zwischen dem Bahnhofsareal und der Altstadt herstellen zu wollen. Weiters bewarb er das Kaufhausprojekt mit einem neuen Mobilitätskonzept für diese Zone, welches u.a. eine unterirdische Erschließung der Garagen im Bozner Stadtzentrum über einen Tunnel, die Versetzung des Busbahnhofes und die Umgestaltung der Bahnhofsstraße in eine Fußgängerzone beinhaltet. Außerdem würden die neuen Verkaufsflächen nur 20% des Gebäudekomplexes ausmachen, was die Einzelhandelsgeschäfte unter den Lauben nicht benachteiligen würde, so Pöll.

Zu Beginn seiner Stellungnahme legte Wirtschaftsingenieur Michael Schlauch gleich seine Kritik am Referendum offen. Zunächst einmal wäre laut Schlauch der Begriff Bürgerbefragung angebrachter. Auch kritisierte er, dass das Ergebnis der Bürgerbefragung nur bei einem "Ja" für das Kaufhausprojekt angenommen und bei einem "Nein" unwirksam sein würde.

Sein Kollege von der Organisation "Jung in Bozen", Thomas Huck, stellte klar: "Die Lauben sind eine Institution, die auch weiterhin funktionieren wird. Umliegende Gebiete wie Kaltern, Eppan oder auch Terlan, die bereits schwanken, werden jedoch draufzahlen." Das Problem liegt seiner Meinung nach auch daran, dass das geplante Kaufhaus zwischen den Gebieten der Peripheriegeschäfte und der Zentrumsgeschäfte liegt und damit das bestehende Gleichgewicht zwischen diesen zerstört.

Des Weiteren kritisierten Schlauch und Huck, dass bei Benkos Projekt der bisherige Straßenbereich der Bahnhofsallee auch mit einberechnet würde, um auf dieselbe Grünfläche zu kommen, wie sie momentan besteht, der verlagerte Busbahnhof den Anforderungen des Nahverkehrs nicht entsprechen würde und die Gemeinde Bozen - und damit die Steuerzahler - für die Verlegung des Busbahnhofes und für den Bau des Zugangstunnels zu den Parkgaragen aufkommen müssten.

Die Situation um dieses Projekt ist mittlerweile so komplex, dass die zwei Stunden in der Aula Magna kaum gereicht haben, um sämtliche Aspekte rund um das Benko-Kaufhaus auszuleuchten. Doch die Vorträge der beiden Interessensvertretungen haben den Schülern etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht und eine objektive Grundlage für deren Entscheidung bei der Bürgerbefragung in den kommenden Tagen geliefert.

In der anschließenden Diskussion mit den Referenten konnte auch auf individuelle Fragen der Schüler eingegangen werden. Buchstäblich bis zur letzten Sekunde um 13.10 Uhr nützten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen stellen zu können.

 
Im Bild unten die vier Referenten bei der Diskussion.

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Auch das Internetportal salto.bz hat sich ausführlich mit der Diskussion in der Aula Magna beschäftigt. Hier der Bericht auf salto.it


 

 

 

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